Urban Air Mobility
Mobilität von morgen

Weltweit stehen Städte und Metropolen vor der gewaltigen Herausforderung, die Stadt von morgen zu entwickeln. Bevölkerungswachstum, demographische und gesellschaftliche Veränderungen, Umweltschutz und Digitalisierung müssen dabei berücksichtigt und in zukunftsfähigen Stadtkonzepten verbunden werden. Lebenswerte Städte schaffen es, auf begrenztem Boden konkurrierenden Wünschen nach Freizeitgestaltung und Freiräumen, Wohn-, Geschäfts- und Gewerberaum sowie Mobilität gerecht zu werden.

Insbesondere der Mobilitätsaspekt wird in Zukunft neu gedacht werden müssen. Der Wunsch nach individueller Mobilität für Menschen jeden Alters und unabhängig vom Einkommen, innerhalb der Städte und zwischen Stadt und Umland, wird durch Altersmobilität, Bequemlichkeit und Freizeitgestaltung noch wachsen. Ferner führt die Zunahme an touristischen und geschäftlichen Aktivitäten zu mehr Mobilität von Menschen in die Städte und aus den Städten heraus. Hinzu kommen Entwicklungen im Gütertransport – von Lieferdiensten über Online-Shopping bis zur medizinischen Versorgung – die den Bedarf an Mobilität perspektivisch ebenfalls erhöhen werden.

Urban Air Mobility als echte Alternative

Die Stärkung von ÖPNV und Fahrradinfrastrukturen zur Steigerung von Umweltschutz und Lebensqualität eignet sich nur bedingt, den stetig zunehmenden und sich teilweise widersprechenden Bedürfnissen aller Stakeholder Rechnung zu tragen. Als bodengebundene Mobilitätsformen tragen sie nur beschränkt zur Verkehrsberuhigung und Begrünung der urbanen Flächen bei und konkurrieren mit anderen Nutzungsmöglichkeiten, wie Freizeitflächen, Einzelhandel und Gastronomie. Wenn also der Bedarf nach Mobilität steigt und gleichzeitig die Bodennutzung in der Stadt neu priorisiert werden soll, bedeutet dies, dass Mobilität unter die Erde oder in die Luft verlagert werden muss.

Die Verlagerung des Verkehrs unter die Erde ist sehr aufwendig und teuer. Eine Alternative besteht darin, einen Teil der Mobilität in die Luft zu verlagern. Was vor einigen Jahren noch wie Science-Fiction wirkte, ist heute als Urban Air Mobility der nächste logische Schritt in der modernen Stadtentwicklung.

Was ist Urban Air Mobility?

Urban Air Mobility (im weiteren Sinn) bezeichnet die Erweiterung städtischer Mobilität in den Luftraum. Dabei handelt es sich sowohl um den Transport von Fracht (Urban Air Logistics) als auch von Menschen (Urban Air Mobility im engeren Sinn) innerhalb einer Stadt sowie zwischen Stadt und Umland. Basis dieser Mobilitätsform sind – oftmals vertikal startende und landende – Luftfahrzeuge mit elektrischem Antrieb.

Je nach Einsatzbereich werden unterschiedliche Bezeichnungen für Drohnen verwendet. Für Urban Air Logistics eingesetzte unbemannte Luftfahrzeuge nennt man Cargodrohnen oder unmanned aircraft systems (UAS). Bei personentragenden Luftfahrtsystemen sind die Begriffe eVTOL (electric vertical take-off and landing) oder Air Taxi gebräuchlich.

 

Anwendungsspektrum und wirtschaftliches Potenzial

Das Potential der Urban Air Mobility, in urbanen aber auch ländlichen Räumen, erstreckt sich von Liefertätigkeiten über individuelle Personentransporte bis zur Lebensrettung. Im Bereich der Personenbeförderung können eVTOL – verglichen mit Hubschraubern – kostengünstiger hergestellt, betrieben und gewartet werden, was ihnen zu einem flächendeckenden Einsatz verhelfen kann. Drohnen können zudem eine Reihe von Serviceleistungen erbringen. Sie können beispielsweise mit moderner Kameratechnologie und Sensorik zur Wartung und Instandhaltung von Infrastruktur beitragen, im Katastrophenfall ein Lagebild liefern, medizinisches Erstversorgungsequipment (wie Defibrillatoren) an Ersthelferinnen und Ersthelfer liefern, Laborproben schnellstmöglich in ein Labor transportieren oder dringend benötigte Medikamente zeitnah in das städtische Umland bringen. Schon heute sprechen die Fortschritte der öffentlichen und privaten Forschung und Entwicklung dafür, dass der gewerbliche Einsatz von entsprechenden Luftfahrzeugen sehr bald Realität werden wird. Die Vorteile der Luftraumnutzung liegen dabei auf der Hand: Keine Staus, höhere Geschwindigkeiten und Flexibilität, darüber hinaus Verkehrsberuhigung am Boden und damit die Erhöhung von Lebensqualität in Städten. Zudem können Güter und Personen mit Drohnen emissionsfrei befördert werden, was wiederum einen Beitrag für nachhaltigen Verkehr leistet.

Deshalb wird der Urban Air Mobility ein enormes wirtschaftliches Potenzial vorhergesagt. Analysten von Morgan Stanley bewerten das Marktvolumen für Flugtaxis und Paketdrohnen bis zum Jahr 2040 auf USD 1,5 Billionen. Die EU hat vor Erlass der Luftverkehrsgrundverordnung im Jahr 2018 ebenso Marktanalysen vorgenommen und schätzt, dass die Drohnenindustrie bis zum Jahr 2035 mehr als 100.000 Menschen beschäftigten und einen jährlichen Marktumsatz von EUR 10 Milliarden erzielen wird.  Noch optimistischer sind die Prognosen der Unternehmensberatung Roland Berger, die dem gesamten Bereich der Urban Air Mobility einen Umsatz von USD 90 Milliarden weltweit im Jahr 2050 prognostiziert.

Technologie und Infrastruktur

Die Entwicklung von geeigneten Luftfahrzeugen schreitet – oftmals außerhalb der öffentlichen Wahrnehmung – stetig voran. Neben globalen Unternehmen wie Airbus und Boeing arbeiten eine Vielzahl von Start-ups und auf allen Kontinenten an innovativen Konzepten und können schon heute eine Reihe flugtauglicher Luftfahrzeuge und erste konkrete Anwendungen präsentieren. Begleitend laufen technische, betriebliche und rechtliche Maßnahmen, die die hohen Sicherheitsstandards der allgemeinen Luftfahrt auch in der Urban Air Mobility gewährleisten.

Da Urban Air Mobility in städtische Mobilität integriert werden soll, braucht es entsprechende Infrastruktur und Schnittstellen. Aktuell entwickeln sich neue Dienstleisterinnen und Dienstleister, die die Koordination von Luftraum und eVTOL-Landeplätzen (sog. Vertiports) im Rahmen der Urban Air Mobility übernehmen und Softwarelösungen für vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und gesteigerte Effizienz und Sicherheit erarbeiten. Zwei wesentliche Herausforderungen sind in diesem Bereich entscheidend für den Erfolg:

Erstens muss die Luftraumstruktur an neue Entwicklungen angepasst werden. Was bereits heute mit der Schaffung eines sog. U-Space durch die Europäische Union für den Betrieb von kleineren Luftfahrzeugen (z. B. Güter und Foto-/Videodrohnen) erfolgt ist, ist in naher Zukunft auch auf den Betrieb von Air Taxis auszuweiten.

Zweitens muss eine geeignete Boden-Infrastruktur inklusive einer ausreichend hohen Anzahl an Start- und Landezonen geschaffen werden. Nur eine Vielzahl an Vertiports kann zu einer Optimierung von Leerflügen und Standzeiten führt, so eine hohe Auslastung generieren und damit die Kosten senken und breite Nutzung ermöglichen. Dafür müssen Städte die vorhandenen Strukturen auf Flughäfen erweitern und integrierte öffentliche und zweckgebundene Vertiports innerhalb und außerhalb einer Stadt einrichten. Diese können bedarfsgerecht am Boden, auf Gebäuden (z. B. Parkhausdächern) und sogar auf dem Wasser entstehen.

Insgesamt sollte Urban Air Mobility nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr bedarf es eines integrierten Konzepts unter Berücksichtigung von Smart City-Ansätzen, unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnissen und die Kombination mit anderen individuellen und kollektiven Mobilitätsformen wie Bahn, Bus, Sammelbusse-/taxen, Auto, Fahrrad, Sharing-Modelle etc.

Richtig geplant ist ein Vertiport nicht nur ein Ort, an dem Luftfahrzeuge starten und landen, sondern ein wesentlicher Bestandteil des gesamten inner- und außerstädtischen Verkehrsnetzes, an dem Umsteigemöglichkeiten bestehen und dem Bedarf an Konnektivität, Individualität aber auch Zeitersparnis und Bequemlichkeit entsprochen werden soll.

 

Ein neuer Rechtsrahmen

Einhergehend mit der technischen Entwicklung wurden seit 2019 vor allem auf europäischer Ebene Regelungen geschaffen, die erstmalig einen rechtlichen Rahmen für Urban Air Mobility vorgeben. Die einschlägigen Verordnungen orientieren sich teilweise an dem vorhandenen rechtlichen Rahmen für die kommerzielle Luftfahrt und werden um Rahmenbedingungen ergänzt, die den speziellen Bedürfnissen und Nutzungskonzepten Rechnung tragen.

Ferner fördert die Europäische Kommission den Einsatz von Drohnen im Rahmen der Urban Air Mobility-Initiative. Ziel ist die Durchführung von Pilotprojekten und transeuropäische Vernetzung von UAM-Akteuren. Die Initiative soll Erkenntnisse über Rahmenbedingungen und Voraussetzungen liefern, unter denen Drohnen sinnvoll und gewinnbringend eingesetzt werden können. Aktuell entwickelt die Kommission die Drone Strategy 2.0, um das volle Potenzial von Drohnen im Binnenmarkt auszuschöpfen und zur digitalen Transformation vieler Unternehmen beizutragen.

Auch die deutsche Politik hat die Zeichen der Zeit erkannt und schafft Regelungen, um sinnvolle Urban Air Mobility-Konzepte voranzutreiben. Neben der Anpassung des Rechtsrahmens in LuftVG und LuftVO hat die Deutsche Bundesregierung Förderungen aufgesetzt, Aktionspläne veröffentlicht und Reallabore unterstützt, um die innovative Drohnentechnologie in die Praxis zu bringen. Ende Juni 2021 wurde zudem ein Innovationsnetzwerk zwischen den Modellstädten Aachen, Ingolstadt, Hamburg und der Region Nordhessen geschaffen, das eine enge Zusammenarbeit dieser Testregionen rund um den Einsatz von Drohnen ermöglichen soll.

Luther Expertise aus einer Hand

Luther hat ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten zusammengestellt, das Unternehmen sowie die öffentliche Hand bei der Transformation zu smarten Mobilitätskonzepten unterstützt. Dazu gehört auch die Beratung in Fragstellungen zur industriellen und gewerblichen Nutzung von Drohnen und eVTOL.

Ihr Luther Team besteht aus einer erfahrenen Gruppe von Expertinnen und Experten und bietet Unternehmen, Projektentwicklungen, Investorinnen und Investoren sowie Regierungen und der öffentlichen Hand einen umfassenden Full-Service in der Rechtsberatung. Die Expertinnen und Experten im Bereich Urban Air Mobility beraten sie auf höchstem Niveau und verfügen aufgrund der langjährigen Erfahrung im Luftverkehrssektor über erstklassiges Branchenwissen sowie das unabdingbare Know-how auch in technischen und ökonomischen Fragen. Bei komplexen Projekten kommen Spezialistinnen und Spezialisten für die Projektsteuerung im Mandat zum Einsatz.

Luther arbeitet in luftverkehrsrechtlichen Mandaten eng mit Herrn Dr. Gerald Wissel zusammen. Gemeinsam mit dem führenden Luftfahrtexperten in Deutschland entwickeln wir integrierte und zukunftsweisende Mobilitätskonzepte für die Stadt von Morgen.

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