26.02.2026
Dirk Fischer, Managing Director der Luther Public Services (LPS), spricht im Interview über baubegleitende Beratung, Managementlösungen für die öffentliche Hand – und was sich dadurch für Mitarbeitende der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft mbH verändert.
Herr Fischer, Luther Public Services ist seit Kurzem „live“. Was ist die Grundidee hinter LPS?
Wir wollen die juristische Stärke von Luther gezielt ergänzen. LPS haben wir gegründet, weil wir sehr viele Schnittstellen zur klassischen Kanzleiberatung sehen – aber in Methodik und Arbeitsweise an entscheidenden Punkten im Management- oder Ingenieurwirkungsbereich eben anders sind. Wenn man Managementverantwortung übernimmt, braucht man dafür eigene Strukturen, Prozesse und umsetzungsorientierte Rollenbilder.
Sie sind Experte für baubegleitende Beratung und Großprojekte. Wo setzt Ihre Arbeit bei LPS konkret an?
Meine Arbeit fußt auf drei zentralen Säulen:
1. Planungs- und Bauleistungsbeschaffung. Wenn ein öffentlicher Auftraggeber oder eine Institution ein großes Vorhaben vor sich hat, muss sie Architekten, Ingenieure, Projektbeteiligte und Bauunternehmen beschaffen – und zwar so, dass am Ende Verträge nicht nur sauber sind, sondern auch baubar und umsetzbar. Ich sehe mich da als Bindeglied zwischen „Vertrag“ und „Zement“: Zwischen juristischer Struktur und Baustellenrealität muss der Weg ins fertig gebaute Gebäude funktionieren.
2. Interimsmanagement und Immobilienstrategie. Viele Einrichtungen brauchen zeitweise Markt-Know-how, um Funktionen zu besetzen, die intern nicht vorhanden sind – etwa für Bauherrenrollen, Stabsstellen oder Strategieprojekte. Dann übernehme ich als Interimsmanager eine Rolle „wie ein Mitarbeitender“ im Organ, auf Basis eines Managementvertrags – mit klarer Aufgaben- und Ergebnisverantwortung.
3. PMO / Project Management Office für Großprojekte. Das ist Management in der Projektfläche: Wir gehen in große oder in Schieflage geratene Projekte hinein, übernehmen bevollmächtigte Projektleitung beim Auftraggeber, richten eine zentrale Entscheidungs- und Steuerungsstelle ein und bringen die Umsetzung wieder auf Kurs.
Können Sie ein konkretes Beispiel nennen, wie so ein Eingriff aussieht?
Wir haben zwei Großprojekte im universitätsmedizinischen Bereich operativ übernommen, das Vorhaben stand faktisch still. Von außen wirken die Gebäude teilweise „fertig“ – wie ein Auto, dessen Karosserie schon steht, aber innen fehlen noch Sitze und alles, was den Betrieb ermöglicht.
Und jeder Tag, an dem ein solches Gebäude nicht in Betrieb geht, erzeugt massive wirtschaftliche und organisatorische Schäden – gerade in einem Gesundheitsbetrieb. Unsere Aufgabe ist es, das wieder aufzusetzen, Teams neu zu organisieren, Entscheidungswege zu klären und die Umsetzung zu beschleunigen.
Das haben wir in verantwortlicher Rolle Anfang des letzten Quartals 2025 übernommen und wir haben wieder Handwerker auf der Baustelle und fahren die Arbeiten strukturiert wieder an.
Agiert LPS dabei „für“ die öffentliche Hand – oder eher „mit“ ihr?
Im Auftrag der jeweiligen Institution. Das kann eine Anstalt öffentlichen Rechts sein wie eine Universitätsmedizin – aber genauso eine Stadt, eine gGmbH oder ein kommunaler Träger.
Wenn eine Kommune sagt: „Wir brauchen jemanden, der die Bauherrenfunktion für ein Schulprojekt wirklich übernimmt“, dann können wir das interimistisch abbilden – als Managementrolle mit Verantwortlichkeit, nicht als unverbindliche Begleitung.
Genauso gut unterstützen wir private Institutionen, die mit der öffentlichen Hand kooperieren müssen. Wir kennen beide Seiten gut und kennen deren Bedürfnisse.
Was unterscheidet Sie von einem klassischen Projektsteuerer?
Klassische Projektsteuerung ist oft sehr formal – Excel, Protokolle, Reporting in einer Stabstellenfunktion. Das ist nicht per se falsch, aber es erzeugt selten Ergebnisverantwortung. Unser Ansatz ist Management: Wir wollen am Ende ein Resultat. Ich nenne das Ende-zu-Ende-Verantwortung: von der Ausschreibungs- und Beschaffungslogik über Qualitätssicherung bis zur schlüsselfertigen Übergabe – nicht als Ausführende, sondern als die Stelle, die dafür sorgt, dass das System funktioniert und Entscheidungen getroffen werden.
Wo ist der besondere Nutzen für öffentliche Auftraggeber?
Öffentliche Organisationen sind häufig auf Sicherheit sozialisiert – nicht auf schnellen Fortschritt. Das ist nachvollziehbar, führt aber bei komplexen Vorhaben oft zu Verzögerungen, Verantwortungsdiffusion und sogar Stillstand. Genau hier kommt LPS ins Spiel: Wir helfen, aus der Problemverwaltung in Problemlösung zu kommen – mit Struktur, mit Entscheidungsarchitektur, mit Projektorganisation. Und wir verbinden das mit Luther, wenn juristische Spezialthemen wie Vergabe-, Vertrags- oder Konfliktfragen aufkommen.
Wie arbeitet LPS mit der Luther Rechtsanwaltsgesellschaft zusammen?
Sehr eng – aber eben komplementär. Bei Luther gibt es starke strategische, vertrags- und vergaberechtliche Teams und eine juristisch geprägte Managementberatung, die in Projekten schon immer sehr praktisch gedacht hat. LPS bringt die technische und operative Seite systematisch hinein. Wir ersetzen keine Rechtsberatung. Wir machen sie wirksamer: Wenn Juristerei und Baustellenrealität nicht miteinander verbunden werden, wird aus dem perfekten Vertrag kein fertiges Gebäude.
Was ist die Botschaft an öffentliche Auftraggeber?
Wenn Sie ein Großprojekt, ein Programm mit vielen Großprojekten vor sich haben, das zu komplex wird – oder eines, das schon in Schieflage geraten ist – dann liefern wir nicht nur Ratschläge, sondern Managementkapazität und Umsetzungslogik. Unser Anspruch ist: Großprojekte sollen nicht verwaltet werden – sie sollen fertig werden.
Herr Fischer, vielen Dank für das Interview!